Männergenesungsheim
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dreikommafünf meter hingabe mal einskomma-
zweisechs meter kontrolle gleich vierkommaviereins quadratmeter erkenntnis...
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126 × 350 cm, Gouache auf Leinwand, 2005

5 Platten à 50 × 200 cm, Acryl auf Multiplex, 2005

Er kam regelmässig. Sowohl zu ihr als auch zum Orgasmus. Sie waren sich zufällig begegnet. Wieder. Nach Jahren. Aus einem Espresso wurde ein Abendessen. Wurde eine hitzige Nacht. Und so begann die Geschichte der Verwunderung. Sie war verwundert. Darüber, daß dieser Mann, den sie seit Jahren kannte und der sie nie als Mann interessiert hatte, daß ausgerechnet dieser Mann sie derart betörte. Auch er war verwundert. Daß er sich stimuliert fühlte. Von ihr. Sexuell. In dieser Intensität. Obwohl sie zu dünn war. Für seinen Geschmack. Es folgten viele Nächte. Kurze Nächte... Kochen. Essen. Trinken. Rauchen (sie rauchte zuviel. Nicht nur für seinen Geschmack...).

Hingabe. Sie liebte die Hingabe. An ihn. Sie liebte ihn. Sie hatte sich lange genug dagegen gewehrt. Mit jenem Jahr ging nicht nur die Wehr. Sie hatte für sich etwas begriffen. Und war aus tiefem Herzen dankbar. Daß sie jenes Jahr bekommen hatte. Und ihn. Sie war daran gereift. Auch an der Hingabe. Er begehrte sie. Ihre Hingabe. Er teilte gerne Nächte und Tagesstunden mit ihr, er verwöhnte sie gern; er ließ sich gern von ihr verwöhnen. Er interessierte sich für ihr Leben und ihre Gefühle. Und glich sich daran ab. Er bewunderte ihre Kreativität. Gerade (neu, seit jenem Sommer) auch die in Schriftform.

Er liebte. Auch Bilder. Auch die aus seinem Privatleben. Die mit seinen Kindern. In seinem Haus. Im Urlaub. Beim Skifahren. Beim Autorennen. Mit ihm. Und seiner wunderschönen Freundin. – Hier endet die Verwunderung. Und macht der Erkenntnis Platz...